The dual Origin of the World

Goethe schrieb: „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.“ Die vorliegende Skulptur steht dieser Sentenz in nichts nach, repräsentiert sie doch als Agglomerat primärer weiblicher Geschlechtsmerkmale das Epizentrum männlicher sexueller Begierde. Doch die heteronormative Dichotomie aus „Männlich“ und „Weiblich“ erodiert im Angesicht der zeitgenössischen Sexualmoral, die bestehende Grenzen und Kategorien im Streben nach individueller Freiheit hinter sich lässt. „Everything goes“ wird zur wesentlichen Maxime ebendieses Zeitgeistes, in dem die private Selbstverwirklichung der sexuellen Identität eines der unabdingbaren Kernkriterien demokratischen Miteinanders ist. Die mehr und mehr dem Gestern anheimfallende heteronormative, patriarchalische Herrschaftsordnung gerät demnach durch die ostentative Zurschaustellung des vulgär weiblichen aus den Fugen. Subversiv hält die Skulptur dem Betrachter alles feil, wonach dem Mann gelüstet. In dieser Form hat die Weiblichkeit im Zuge ihrer bis zur Unkenntlichkeit vorangeschrittenen Reduktion und Objektivierung ihr menschliches Erscheinungsbild jedoch eingebüßt und verweist somit mahnend auf die Inhumanität des patriarchalischen Jochs, das die Frau einzig zum Zweck der männlichen sexuellen Erregung dienstbar zu machen sucht. Die schiere Weiblichkeit stellt somit die rigoroseste Kampfansage gegen das Patriarchat dar und ist ein donnerndes Plädoyer für Freiheit und Gleichheit.